Dialog 101

Dialog 101 – das neue Projektzentrum des KREATIVHAUS e.V. 

Gemäß der Philosophie des KREATIVHAUSes als Kultur- und Begegnungsstätte vereint unser Projekt „Dialog 101“ in exponierter Lage im Heine-Viertel des Bezirks Berlin-Mitte vier Teilprojekte.
In der Köpenicker Straße 101 üben unsere MitarbeiterInnen für die BewohnerInnen dieses Stadtteils, der nur über wenige interkulturelle Begegnungs- und Beratungsmöglichkeiten verfügt, eine Lotsen- und Scoutfunktion aus:
Ziel des Projekts ist die Erstunterstützung von Ratsuchenden bei allen denkbaren Problemlagen. Sollten unsere MitarbeiterInnen nicht selbst betreuend tätig werden können, stellen sie aufgrund ihrer engen Vernetzung mit den einschlägigen Stellen (Rechtsanwälte, Mietergemeinschaft, Integrationsvereine, Behörden etc.) entsprechende Kontakte her, vereinbaren Termine und stellen sich gegebenenfalls auch als Begleitung zur Verfügung.
Das Projekt steht der Öffentlichkeit von Montag bis Freitag zur Verfügung, im Sinne der vielen für Frauen bestimmten Angebote ist der Donnerstag als reiner Frauentag vorgesehen. Es befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kinder- und Jugendbibliothek direkt am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße, leicht erreichbar, zentral im Kiez und unübersehbar dank großer Schaufenster und intensiver PR-Arbeit.
Bei unseren MitarbeiterInnen handelt es sich überwiegend um sehr gut integrierte Menschen mit Migrationshintergrund, die gerade für berührungsscheue KundInnen aufgrund des gemeinsamen kulturellen Backgrounds vertrauensbildend wirken.
Alle Teilprojekte leisten einen aktiven Beitrag zur Stärkung des sozialen Miteinanders im Kiez und zur Integration der vielschichtigen ortsansässigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund.
 
 
KIEZmütter
Im Rahmen der MAE-Maßnahme „Stadtteilmütter Heine-Viertel“ wird mobile Integrationsberatung durch Migrantinnen angeboten.
Das Heine-Viertel südlich der Wallstraße ist ein strukturschwaches Wohngebiet mit geringem Gewerbeanteil und einem deutlich wachsenden Anteil an Familien mit Migrationshintergrund. Hier wohnen - noch relativ „unsichtbar“, da auch aus kulturellen Gründen ins häusliche Umfeld zurückgezogen - etliche Bürgerinnen mit Migrationshintergrund und geringer sozialer Vernetzung. Das vom KREATIVHAUS e.V. 20O9 durchgeführte Integrationsprojekt „Mütter gestalten ihren Raum“ hat diesen Frauen erstmalig einen Raum eröffnet, in dem sie sich seitdem begegnen, öffnen und auf Verständnis hoffen können, um den Mut für neue persönliche Entwicklungsschritte zu fassen.
Viele Frauen haben selbst Unterstützungsbedarf bei der Suche nach einer beruflichen Tätigkeit geäußert. Sie haben ein großes Interesse an einer Berufstätigkeit. Hier setzt das Projekt „KIEZmütter“ an. Das Projekt richtet sich an Familien des angrenzenden Heine-Viertels. Die Familien stammen aus dem Iran, Irak, Libyen, Libanon, Palästina, Kurdengebieten und der Türkei. Die Mitarbeiterinnen besuchen die Frauen in ihren Familien. Dabei wird von dem Grundsatz ausgegangen, dass Mütter nicht nur der Schlüssel zu den Familien, sondern auch Expertinnen für deren Integration sind. Inhaltliche Schwerpunkte des Projekts sind Hilfe zur Selbsthilfe, Zugänge zu Hilfsangeboten, Stärkung der Erziehungskompetenz, Förderung der Teilhabe und der interkulturellen Kontakte der MigrantInnen.
Durch den wöchentlichen Austausch in deutscher Sprache und gezielte Sprachförderung wird die Sprachkompetenz der Frauen verbessert. Die Frauen erhalten die Möglichkeit, sich ein stabiles soziales Netzwerk außerhalb ihrer Familien zu schaffen und Unterstützung von anderen Frauen zu erhalten. Ihre Stärken und persönlichen Interessen werden herausgearbeitet, Berufsmöglichkeiten vorgestellt und ein Überblick über die notwendigen Kenntnisse gegeben. Je nach konkretem Bedarf werden berufserfahrene Frauen gesucht und eingeladen, um über ihren Berufsweg zu erzählen. Weitere Orientierungshilfen bilden ein Besuch in einem relevanten Berufsbetrieb, Unterstützung bei der Stellen- und Ausbildungssuche im Internet, Vermittlung von Praktika und berufsrelevanten Sprachkursen. Ein Persönlichkeitstest hilft den Frauen bei der Berufswahl. Um Mütter zu entlasten, wird parallel zu dem wöchentlichen Coaching eine Betreuung ihrer Kleinkinder angeboten. Damit die Mitarbeiterinnen als kompetente und aktive Lotsen agieren können, müssen sie mit den Kiezressourcen und -angeboten vertraut und mit den Infrastruktureinrichtungen kontinuierlich vernetzt sein.
Die Vernetzungsarbeit und der persönliche Besuch von Angeboten im Kiez macht es zudem möglich, hilfreiche Informationen an Migrantenfamilien weiterzugeben und sie mit eigenen Erfahrungen aus erster Hand qualitativ anzureichern. So werden diese Informationen plastisch und enthalten beispielsweise auch Beschreibungen zu emotionalen Aspekten, die für die Familien ausschlaggebend sein könnten. Solche konkreten Informationen sind nach Ansicht der befragten Mitarbeiterinnen bei den Familien hochbegehrt, was man auch daran merken kann, dass sie diese in ihren persönlichen sozialen Bezügen weitergeben! Die bisherige Praxis hat ergeben, dass viele Migrantenfamilien eine hohe Bereitschaft zeigen, sich zu informieren und weiterzubilden. Entscheidend ist allerdings, dass es zunächst gelingt, Zugang zu den Familien zu finden. Denn die prinzipiell an vielen Orten bereitgehaltenen Informationen kommen auf den bisherigen Wegen nur selten bei den Migrantenfamilien an. Wenn jedoch der Zugang gelingt, ergeben sich erfahrungsgemäß zahlreiche Gelegenheiten, an den Interessen der Familien entlang Zugänge zu weiteren Informationen und Angeboten im Kiez zu ermöglichen.
Im „Dialog 101“ finden unsere KIEZmütter ihre Heimstatt, von dort koordinieren sie ihre Besuche in den Familien; natürlich bieten sie ihre Lotsendienste auch an Ort und Stelle an.
 
NähCafé MOIRA
Das NähCafé MOIRA ist ein Treffpunkt für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund. Es steht für die Idee, das eigene Schicksal selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Nadel und Faden sind ebenso Bestandteil des Projekts wie Weltoffenheit, Bildung und Integration.
Ziel ist eine stärkere Vernetzung der Mütter und Töchter untereinander sowie ihre Beratung und Aktivierung hinsichtlich ihrer beruflichen Integration und Entwicklung. Es wird ihnen die Möglichkeit gegeben, einen Teil des öffentlichen Raums im Kiez für sich zu nutzen und darüber hinaus anderen Kiezbewohnerinnen zugänglich zu machen.
Die Teilnehmerinnen treffen sich wöchentlich, um unter fachlicher Anleitung das Nähen mit modernen elektrischen Nähmaschinen zu erlernen. Somit können sie einfache Nähtätigkeiten (Kürzen/Ändern/Ausbessern von Bekleidung, Wäsche, Gardinen bzw. auch Anfertigen von einfachen Kleidungsstücken) selbst vornehmen.
Gleichzeitig können die Frauen die gemeinsam verbrachte Zeit nutzen, um sich zu vernetzen, Erfahrungen zur besseren Bewältigung von Alltag und Erziehung auszutauschen sowie unter sozialpädagogischer Begleitung aktuelle gesellschaftsrelevante Themen anzusprechen.
In einem Nachbarraum wird auf Sprachförderung konzentrierte Kinderbetreuung angeboten. Den Kindern werden deutschsprachige Kinderbücher vorgelesen, über Spiel- und Malaktionen werden sie zum Erzählen in deutscher Sprache animiert. Die Mütter werden angeregt, ihre Kinder beim Spracherwerb zu unterstützen. Sie selbst erfahren ebenfalls Unterstützung bei ihren Bemühungen um das Erlernen der deutschen Sprache. Überdies erhalten sie Informationen zu Fragen beruflicher Qualifizierung, Erziehung und schulischer Ausbildung ihrer Kinder.
 
ZukunftsSchmiede
Dieses Teilprojekt im Sinne der beruflichen Integration von Mädchen mit Migrationshintergrund steht in engem inhaltlichem Zusammenhang mit dem NähCafé und findet zeitgleich unter gemeinsamer fachlicher Anleitung statt.
Mütter mit Migrationshintergrund, denen es gelungen ist, die Anforderungen von Beruf und Familie zu meistern, berichten über ihre Erfahrungen und erfüllen für die Mädchen eine wichtige Vorbildfunktion. Die Mädchen erhalten die Möglichkeit, verschiedene Arbeitsplätze zu besuchen und sich über die Anforderungen unterschiedlicher Berufsfelder zu informieren. Gemeinsam wird über persönliche Interessen, Berufswünsche, Chancen, Perspektiven und Ausbildungsmöglichkeiten gesprochen. Den Töchtern wird darüber hinaus der Kontakt zu älteren Frauen ohne Migrationshintergrund ermöglicht, die den angestrebten Beruf ausgeübt haben und die Mädchen hinsichtlich der erforderlichen Kompetenzen beraten können.